zurück


Aus Kapitel: Literatur | Verlagsgeschichte | Bücher über 1.000 Euro

Hermann Meister und der Saturn-Verlag. Substantielle Sammlung der von ihm geschriebenen, der in seinem Verlag publizierten und der von ihm herausgegebenen Werke. 1910-56. Ca. 180 Bücher und zahlreiche hs. Beigaben, Briefe, Manuskripte, Entwürfe, Zeitungen etc. 15.000,00 EUR
Der 1890 in Heidelberg geborene Hermann Meister muss zu den interessantesten, wenngleich kaum mehr bekannten Dichtern und Verlegern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezählt werden. Schon als Schüler veröffentlichte er mit seinen Freunden Herbert Großberger und Johannes Mark handgeschriebene, aber kostenpflichtige Schülerzeitungen. Eine erste Verlagsgründung erfolgte 1908 unter dem Namen ‚Pendel`, die jedoch nur Meisters eigenen Gedichtband unter dem Titel Die verrostete Leyer herausbrachte. Ausgestattet mit frisch verdientem Geld von einer Suppenfabrik erfolgte 1911 ein zweiter Anlauf mit dem Saturn-Verlag, dem ebenfalls eine programmatische Zeitschrift gleichen Namens beistand. Die von Meister verlegten Autoren gehören heute zum Kanon der Frühexpressionisten: Otto Baum, El Hor, Konrad Beste, Heinrich Nowak, Jacob Picard, Rudolf Leonhard, Kurt Erich Meurer, Oskar Rosenfeld und viele andere. Der Erste Weltkrieg unterbrach die erfolgreiche Verlagstätigkeit. An eine Fortführung in gewohnter Weise, an einem vor allem an dichterischer Form interessiertem Diskurs, war in den politisch aufgeladenen Nachkriegsjahren nicht zu denken. Ein letzter Jahrgang des Saturn wurde mit der finanziellen Unterstützung des Schriftstellers und späteren Verlegers Robert Renato Schmidt herausgebracht. In Zeiten der Inflation baute Meister (seit 1919 trug der Verlag seinen Namen) seine Druckerei aus, die er mit Aufträgen zur Herstellung von Sportzeitungen auslastete (als begeisterter Sportsmann und Fan von Rugby, Tennis, Rudern und Herrenfahren war ihm dies auch Herzenssache). Es gelang ihm bis 1943 seinen kleinen Verlag am Leben zu erhalten; erst dann verboten die Nationalsozialisten ihm die weitere Verlagstätigkeit. 1945 erhielt er schließlich als erster Heidelberger die Verlagslizenz Nr. 3 und führte seine schon Ende der zwanziger Jahre begonnene Reihe der Kleinen Meisterbücher fort. Der Lesehunger der Nachkriegsdeutschen bescherte ihm einen großen Erfolg, jedoch beendeten Rohstoffknappheit und Währungsreform seine Expansion. 1957 verstarb Hermann Meister in Heidelberg; der Verlag ging zuerst auf seine Frau Ada über und gelangte ab 1960 zu Otto Walther. Zur Frankfurter Buchmesse 2016 erscheint hierzu ein ausführlicher Katalog mit Bibliographie und Lebensbeschreibung (ca. 200 Abb.) Er stellt den letzten Teil unserer als Trilogie angelegten bibliographischen Reihe über literarische Heidelberger Verlage der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar. Bereits erschienen sind unsere Kataloge zum Merlin-Verlag von R.R. Schmidt und H. Großberger (Abseitig) und zum Richard Weissbach Verlag (Im Typographischen).
Anbieter: Hatry Thomas Tel: 06221 26202 info@antiquariat-hatry.de
Der Titel ist bis zum Beginn der Antiquariatsmesse reserviert.

vergrößern vergrößern vergrößern vergrößern vergrößern vergrößern vergrößern