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From Chapter: Incunable | Theology | Books costing more than EUR 1.000

Johannes [Johannes (Rumsich) von Freiburg]. Summa confessorum, deutsch von Bruder Berthold, Prediger ordens. Ulm, Konrad Dinckmut 12. November 1484. Klein Folio (ca. 27 x 19,5 cm). 198 Bl. (statt 200 ohne die weißen Blätter am Beginn und am Ende: 13 nicht num. 185 num.). Gotische Type, 35 Zeilen. Mit zahlreichen teils figürlichen Holzschnitt-Initialen. Zeitgenössisches blindgeprägtes Schweinsleder über Holzdeckeln mit Messingschliessen. 9.500,00 EUR
Einband sorgfältig restauriert, Bezug stellenweise hinterlegt, Vorsätze erneuert, Schliessen wohl von einem anderen Exemplar ergänzt. Durchgehend im Oberrand braunfleckig nach Feuchtigkeitseinwirkung, stellenweise auch weitere Papierpartien betroffen. Die ersten Bl. und das letzte wegen Ausdünnung alt im Rand hinterlegt. Das erste Registerblatt mit zeitgenössischem Titeleintrag und Anmerkung zum Übersetzer. Das erste Textblatt mit Besitzeintrag "Liber Georgij Reysing 1512", dort im Fußsteg "Jesum Cristum Aamen". Dies abgewandelt zu "Jesus Cristus Aamen" auf Bl. CXXX recto. GW M13606. ISTC ij00321000. Goff J-321. Pr 2564. BMC II 534. BSB-Ink I-570. Fehler in der Foliierung: "Das. cv. blat" (statt cij., wie in Heidelberg und München), ebenso "Das xxxiii blat" (statt cxxxiii). Seltene Inkunabel, weltweit in ca. 30 vollständigen Exemplaren nachgewiesen. GW meldet eine Gesamtüberlieferung von 42, wovon allerdings 3 lediglich Einzelblattnachweise sind und 9 inkomplett (fehlen nur weiße Blätter, wie hier, wurden die Ex. als komplett gezählt). Johannes von Freiburg, Dominikanertheologe und Kanonist, geboren in der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert in Haslach (Kinzigtal), gestorben am 10.3.1314 in Freiburg im Breisgau "war Schüler Ulrichs von Straßburg. In Freiburg wirkte er in der Seelsorge seines Klosters, wo er Lektor der Theologie und Prior wurde. Literarisch widmete er sich als Repräsentant der kasuistischen Moral- und Pastoraltheologie der sog. Beichtstuhljurisprudenz. Mit Recht kann J. als Fortsetzer des Werkes Raymunds von Peñafort gelten. Sein eigenes Schrifttum zeichnet sich durch wissenschaftliches Format, tiefes Rechtsverständnis und elegante Latinität aus. Er … schrieb vor 1290 als Hauptwerk die weitverbreitete ". Fr. Merzbacher in NDB 10 (1974), S. 550 f. Nach neueren Darstellungen (Marlies Hamm in: Verfasser Lexikon², IV, 1983, Sp. 605-611.) war Johannes 1268 möglicherweise der Reisebegleiter des Albertus Magnus auf dessen Reise nach Mecklenburg und weilte vor 1277 zu Studienzwecken in Paris (während der Lehrzeit von Thomas von Aquin und Johannes von Varzy). M. Hamm bezeichnet die vorliegende Summa confessorum, die erstmals 1476 in Augsburg gedruckt wurde, als "Höhepunkt der Beichtsummenliteratur". Dinckmut "war zunächst anscheinend als Drucker von Blockbüchern tätig und wandte sich um 1480 dem Letterndruck zu; sein erstes datiertes Buch stammt aus dem Jahre 1482. Er war der fruchtbarste Buchdrucker Ulms im 15. Jahrhundert nach Johann Zainer und brachte ganz überwiegend deutschsprachige, vielfach mit Holzschnitten geschmückte Werke heraus… Seine Typen zeigen zum Teil ausgeprägte Eigenart, seine Holzschnittinitialen sind zum Teil romanischen Initialen nachgebildet. D. ist urkundlich auch als Buchbinder nachzuweisen, gehört aber trotz dieser vielseitigen Tätigkeit zu den Druckern des 15. Jahrhunderts, denen ein wirtschaftlicher Erfolg versagt blieb. Schon 1488 mußte er Drucke verpfänden, dann sein Haus verkaufen und zuletzt die Restauflage des Terenz und des Lirer seinem Gläubiger Hans Nythart überlassen. 1496 stellte er seine Drucktätigkeit ein, 1499 verließ er Ulm; über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt." F. Geldner in NDB 3 (1957), S. 726. Im Register mit 20 Initialen, die jeweils vierzeilig sind. Im Haupttext 21 große, jeweils achtzeilige Holzschnitt-Initialen, die teils figürlich ausgestaltet sind, häufig mit Drachen und Fabelwesen. Beide Initial-Gruppen sind jeweils in alphabetischer Reihenfolge angeordnet, wobei das große M auf Blatt 120 (ebenso wie in München) fehlt und stattdessen eine Initialspatie zeigt. Als weiteres Kuriosum ist zu vermerken, dass eine Anweisung an den Setzer nicht getilgt, sondern in den Drucktext übernommen wurde: Am Fuss von Bl. 12 recto heisst es "Sequitur littera B", was auch auf 12 verso umgesetzt wurde. Über dieses Versehen hinaus ist dies ein Hinweis darauf, dass der Setzer Latein lesen konnte.
Exhibitor: Fritzen Peter Phone: 0651 4367673 Mobil: 0651 4367673 antiquariat-fritzen@t-online.de
The title is up for the start of the antiquarian book fair.

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